Borut Kincl gibt Kempo-Arnis-Lehrgang zu effektiver Selbstverteidigung
Letter In der Halle des Südflügels wurde es eng: Über 50 Karateka aus Seelze, München, Todtnau, Rheine, Berlin, Schwerin drängten sich in der Sporthalle des Georg-Büchner-Gymnasiums. Manche hatten Hunderte Kilometer hinter sich, um diesen Mann zu erleben: Borut Kincl, den slowenischen Begründer des Kempo Arnis. Einen Lehrer, der überall auf der Welt geschätzt wird, aber vor Ort trotz seiner rund zwei Metern Körpergröße äußerst bescheiden wirkt.

Ein Meister ohne Pose
Wer zum ersten Mal von seinem Stellenwert in der internationalen Kampfkunst gehört hatte, erwartete eine Aura des Unnahbaren. Doch Borut Kincl strahlte das Gegenteil aus: kein Funken Selbstdarstellung, keine Starallüren – nur die klare Absicht, seine Kampfkunst weiterzugeben. „Es geht um effizientes Karate und die Methode“, sagte er gleich zu Beginn. Und plötzlich verstand jeder, warum seine Lehrgänge einen geradezu legendären Ruf besaßen.

Unter den Teilnehmern standen bekannte Kampfkünstler Schulter an Schulter mit den Vereinsmitgliedern aus Seelze. Kampfkünstler wie die Leiter der Kyusho Jitsu Organisation Deutschland, Bettina und Sebastian Lämmle, reihten sich neben Seelzer Karate-Anfängern ein.

Arif Abdullah Haidary, Vize-Europameister im Vollkontakt-Kyokushinkai, staunte gemeinsam mit einfachen Shotokan- und Goju-Ryu-Kämpfern. An diesem Tag zählten keine Titel. Nur offene Augen und wacher Geist.
Die Verbindung zur Tradition
Das Training war dynamisch, actionreich, intensiv. Scheinbare Selbstverständlichkeiten erschienen in völlig neuem Licht. Immer wieder schob Borut beiläufig Sätze ein, die trafen: „Alles ist Karate. Auch am Boden.“ Und er zog immer wieder die Linie zurück zur Tradition.

Ob Schlag, Griff, Wurf oder Kontrolle – alles verwies auf klassische Karate-Katas. Borut Kincl zeigte, wie die alten Meister realistische Antworten in klaren Formen gegossen hatten. „Wir müssen nur lernen, diese Formenabläufe richtig zu lesen.“ Ob Stand, Verteidigung oder Bodenkampf: Bei Kincl griffen klassische Karateprinzipien und moderne Selbstverteidigung ineinander.
Seine Art zu erklären war ruhig, doch seine Demonstrationen wirkten wie Hammerschläge. Das begann bereits bei der Basis – dem Stand. „Ohne festen Stand: keine Technik.“

Sobald Borut sich bewegte, wusste man, warum er international als einer der effizientesten Vertreter der modernen Selbstverteidigung gilt. Die Halle pulsierte wie ein einziger Körper – Staunen, Technik erproben, Lachen. Alle miteinander. Fremde trainierten wie alte Freunde, alte Freunde wie ein Team. Ziehen und Stoßen, Abwehr, Schläge und Hebel gegen große oder scheinbar übermächtige Gegner – Borut Kincl gab auf jeden Angriff eine schlagkräftige Antwort.