Karate-Club Seelze e.V.

Kampfkunst seit 1974

Silvios Kampfansage: die Kata Seisan

Kata-Spezial mit Silvio Korte

Es ging ganz schnell. Der Gegner griff an. Sekundenbruchteile krachten zwei Fäuste auf seine Brust, ein gezielter Schlag zum Solarplexus, ein Ruck – der Angreifer wirbelt herum, verliert die Orientierung und landet Augenblicke später am Boden. Diese eindrucksvolle Demonstration war nur eine von über zahlreichen Selbstverteidigungs-Möglichkeiten, die Silvio Korte (6. Dan) anhand der Kata Seisan demonstrierte.

Ich zeige euch heute rund 35 Bunkai-Anwendungen – erweitern könnte ich sie problemlos auf 70 und mehr“, erklärte Korte (6. Schwarzgurt), einer der profiliertesten Kampfkünstler des Karate-Club Seelze. Seit Jahren ist er der Kata-Pate der Seisan. Er hat ihre Techniken und Details analysiert, sich mit Großmeistern wie Eddy de Vos aus Belgien ausgetauscht und mit ihm die Yushinkan-Perspektive diskutiert. Den Mitgliedern des Karate-Club Seelze gewährte er jetzt einen kleinen Einblick in seinen großen Wissensschatz.

 

 

Kata ist eine Kampfansage

Karate ist Kampf“, betonte Silvio gleich zu Beginn. Das gilt auch für den Formenlauf der Kata Seisan. „So ästhetisch diese auch aussieht, letztendlich verbergen sich in ihr effektive, unter Umständen tödliche Techniken, die die alten Meister ihren Schüler lehrten. Das wurde spätestens bei Silvios Bunkai deutlich.

Geht richtig ran. Zeigt Körperspannung. Lasst den Partner spüren, was die Technik bedeutet.“ Dazwischen die Warnungen: „Nicht übertreiben – wir wollen uns nicht gegenseitig verletzen. Schnell ist ein Gelenk gebrochen.“

Alte Form – neue Erkenntnisse

Die Seisan, eine der härteren Katas des Goju-Ryu, enthält eine Fülle an Techniken, die weit über sichtbare Bewegungen hinausgehen. Silvio Korte verstand es, diese verborgenen Prinzipien lebendig zu machen. Immer wieder verwies er auf die Lehre der Vitalpunkte (Kyusho Jitsu), in der er ebenfalls einen Schwarzgurt trägt.

Manche Aktivierungen führen zum Knockout, andere könnten tödlich enden – daher höchste Vorsicht“, betonte er mit Nachdruck. Seine präzisen Bewegungen und die ruhige Art beeindruckten die Teilnehmer ebenso wie die Schnelligkeit und Effektivität der Anwendungen.

Lernen von einem Meister

 

 

Über zwanzig Karateka aller Gurtstufen verfolgten die Demonstrationen mit gespannter Aufmerksamkeit. „Bei jeder Kata gilt: üben, üben, üben. Die Bewegungen müssen in Fleisch und Blut übergehen“, erklärte Korte.

Konzentriert folgte ihm unter anderem Kata-Nachwuchstalent Jan Bode, der bereits bei zahlreichen Turnieren erfolgreich war. Man sah ihm an, wie er jede Technik innerlich nachging, die Abläufe speicherte. Und es gab viel zu lernen. „Nach der Pause rauchte mir der Kopf – ich fürchte, dass ich vieles schon wieder vergessen habe“, gestand eine der Jugendlichen. Wichtig ist, dass man die Techniken abspeichert, die einem besonders liegen.

Begeisterung, Konzentration, Staunen

Während Anfänger vor allem die offensichtlichen Anwendungen erkannten, entdeckten die erfahreneren Dan-Träger immer wieder neue, tiefere Ebenen. Die Verbindung aus Tradition, Wissen und moderner Interpretation machte das Kata-Seisan-Special zu einem Lehrgang voller Aha-Momente. Oder, wie Silvio Korte es formulierte: „Nicht umsonst heißt es, dass sich die japanischen Meister häufig über Jahrzehnte mit einer einzigen Kata befassten.“



 

Der Karate-Club Seelze e.V. ist Mitglied in folgenden Verbänden